Cover zu Abends am Stand
Ruhige Abendballade für Frauenstimme, zum Schluss mit Chor

Abends am Stand

Die Bank hinterm Holunder, auf der schon die Mutter saß

KI-Musik3:36 · Album: Lieder für Imkerinnen · veröffentlicht am 10. Oktober 2026

Direkter Link zu diesem Lied: imkerlieder.at/lieder/abends-am-stand

Dieses Lied steht am Ende des Albums, weil es nicht von einem Monat handelt, sondern von allen. Der Tag war voll – Telefon, Kinder, Haus –, und um acht geht sie noch einmal hinaus zu der Bank hinterm Holunder, auf der das Holz noch warm ist. „Abends am Stand, da bin ich nur ich. Da will keiner was, da braucht keiner mich.“

Der zweite Vers ist das Herzstück und beschreibt etwas, das man nur nach vielen Jahren kann: das Jahr am Geruch erkennen. Im Frühjahr riecht es nach Weide, im Juni nach Wald, im Herbst nach Efeu, herb und spät. „Ich kenn das Jahr an seinem Duft, ich brauch dazu kein Blatt.“

Und dann die Bridge, in der klar wird, warum diese Bank an diesem Platz steht. Die Mutter saß schon hier, mit demselben Blick, und hat nie gesagt, was sie hier gefunden hat. Gesagt werden muss es auch nicht – es wird weitergegeben, so wie es hier weitergegeben wird an die, die einmal nach ihr auf dieser Bank sitzt.

Der Tag war voll, das Telefon, die Kinder und das Haus.
Um acht ist alles abgeräumt, da geh ich noch mal raus.
Die Bank steht hinterm Holunder, das Holz ist noch ganz warm.
Die letzten kommen heimgeflogen, schwer und ohne Alarm.

Refrain

Abends am Stand, da bin ich nur ich.
Da will keiner was, da braucht keiner mich.
Sie fächeln die Wärme zum Flugloch hinaus,
es riecht nach dem Sommer, es riecht nach zu Haus.
Abends am Stand –
da komm ich an.

Im Frühjahr riecht's nach Weide hier, im Juni dann nach Wald,
im Herbst nach Efeu, herb und spät, und dann wird's langsam kalt.
Ich kenn das Jahr an seinem Duft, ich brauch dazu kein Blatt.
Ich weiß, wie jeder Monat klingt, den dieser Garten hat.

Refrain

Abends am Stand, da bin ich nur ich.
Da will keiner was, da braucht keiner mich.
Sie fächeln die Wärme zum Flugloch hinaus,
es riecht nach dem Sommer, es riecht nach zu Haus.
Abends am Stand –
da komm ich an.

Meine Mutter saß schon hier,
auf derselben Bank, mit demselben Blick.
Sie hat nie gesagt, was sie hier fand.
Ich weiß es jetzt, ich sitz an ihrem Stand.

Refrain – der Chor setzt leise ein

Abends am Stand, da bin ich nur ich.
Da will keiner was, und doch trägt es mich.
Und sitzt hier mal eine nach mir auf der Bank,
dann riecht sie den Sommer und denkt sich: Gott sei Dank.
Abends am Stand –
da komm ich an.

zum Schluss

Da komm ich an.

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Fächeln
Die Bienen am Flugloch stehen mit dem Kopf zum Stock und schlagen mit den Flügeln – so ziehen sie einen Luftstrom durch die Waben. Damit kühlen sie bei Hitze und entziehen dem Nektar Wasser, bis er Honig ist. An einem Sommerabend ist das Fächeln meterweit zu hören.
Honigduft am Flugloch
Dass es abends süß riecht, hat denselben Grund. Mit der Luft, die herausgefächelt wird, tritt auch die Feuchtigkeit des reifenden Honigs aus – man riecht buchstäblich, was gerade eingetragen wurde. Ein Stand, der nach Honig duftet, ist ein Stand mit Tracht.
Heimkehr
Der Flugbetrieb endet mit dem Licht, nicht mit der Uhr. Die letzten Sammlerinnen kommen in der Dämmerung zurück, schwer beladen und langsam; danach wird es im Stock ruhig, und am Flugloch bleiben nur die Wächterinnen.
Das Jahr am Duft
Der Trachtkalender, den das Lied aufzählt, stimmt für Mitteleuropa – Weide ab März, Obst und Raps im Frühjahr, Linde und Waldtracht im Juni und Juli, Efeu als letzte Blüte im Oktober. Jede dieser Trachten riecht am Stand anders, und erfahrene Imkerinnen erkennen sie daran.
Ohne Alarm
Fühlt sich ein Volk bedroht, geben Wächterinnen einen Duftstoff ab, der die anderen binnen Sekunden alarmiert. Bleibt das aus, bleibt alles ruhig – wer sich abends still danebensetzt, wird deshalb nicht einmal beachtet.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Abends am Stand“ von Herbert Vitzthum – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Ruhige Abendballade für Frauenstimme, zum Schluss mit Chor
Bild: KI-generiert