Cover zu Bericht über ein Bienenvolk
Melodram für gesprochene Frauenstimme mit gesungenem Refrain, Cello und Klavier

Bericht über ein Bienenvolk

Aufzeichnungen von Mai bis Dezember, hinter dem Holunder

KI-Musik3:48 · Album: Dichter im Bienenhaus · veröffentlicht am 10. Oktober 2026

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Wer Marlen Haushofers Roman kennt, ist nach drei Sätzen zu Hause – die unsichere Datumsangabe, die Hütte, das Aufschreiben ohne Adressaten, und dann der Satz, der alles verändert: „Einige aber fliegen dorthin, wo die Wand ist.“ Haushofer stammte aus Oberösterreich; ihr Buch über eine Frau, die allein hinter einer unsichtbaren Wand überlebt, ist eines der stillsten der österreichischen Literatur.

Dieses Stück holt die Bienen hinein, und sie passen genau. Sie sind das Einzige in der Umgebung, das von der Wand nichts weiß – „ich weiß nicht, ob sie die Wand passieren oder ob sie davor umkehren. Ich will es nicht wissen. Es genügt mir, dass sie zurückkommen.“

Der Juli-Eintrag ist der Kern. Sie wird gestochen und ist beinahe froh darüber – „es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ein anderes Lebewesen sich gegen mich gewehrt hat“. Und im Dezember, als der Stock still geworden ist, legt sie das Ohr ans Holz und hört das tiefe Summen. „Sie wissen nichts von mir. Sie brauchen mich nicht. Das ist tröstlicher, als ich es aufschreiben kann.“

Vorspiel – Bergwind, ein einzelner Cello-Ton, fernes Summen gesprochen, ruhig und sachlich

Zehnter Mai.
Ich weiß nicht, ob es der zehnte ist.
Ich habe aufgehört, mich darauf zu verlassen.
Heute habe ich hinter der Hütte einen Bienenstock gefunden,
unter dem alten Holunder.
Jemand muss ihn vor Jahren aufgestellt haben.
Niemand hat ihn gepflegt.
Die Bienen leben trotzdem.

Refrain – leise gesungen, Klavier

Sie fliegen aus am Morgen,
sie kommen heim am Abend,
sie fragen nicht, warum.

gesprochen

Zwölfter Juni.
Ich habe beobachtet, wohin sie fliegen.
Die meisten fliegen zur Wiese am Bach.
Einige aber fliegen dorthin, wo die Wand ist.
Ich habe lange gewartet.
Sie kommen zurück.
Ich weiß nicht, ob sie die Wand passieren
oder ob sie davor umkehren.
Ich will es nicht wissen.
Es genügt mir, dass sie zurückkommen.

Refrain – gesungen

Sie fliegen aus am Morgen,
sie kommen heim am Abend,
und ich zähle sie nicht.

gesprochen

Achtzehnter Juli.
Heute hat mich eine Biene gestochen,
in die Hand, als ich zu nahe am Flugloch saß.
Es tat weh, und ich war beinahe froh darüber.
Es war das erste Mal seit langer Zeit,
dass ein anderes Lebewesen sich gegen mich gewehrt hat.
Ich habe mich entschuldigt. Laut.
Das kommt jetzt öfter vor, dass ich laut spreche.

gesprochen – das Cello wird wärmer

September.
Ich habe drei Waben genommen, nicht mehr.
Ich habe gelernt, dass man nicht mehr nehmen darf,
als übrig bleibt. Das gilt hier für alles.
Elf Gläser.
Ich habe beschlossen, jeden Monat eines zu öffnen.
So werde ich wissen, wie viel Zeit vergangen ist,
auch wenn ich die Tage verliere.

gesungen, etwas voller, Cello und Klavier

Hinter der Wand ist alles still,
vor der Wand summt es noch.
Ich weiß nicht, wem ich das erzähle.
Ich erzähle es doch.

gesprochen, sehr leise, nur Wind

Dezember.
Der Stock ist still geworden.
Wenn ich das Ohr an das Holz lege,
höre ich ein Summen, sehr tief, wie aus großer Entfernung.
Sie halten sich gegenseitig warm.
Sie wissen nichts von mir.
Sie brauchen mich nicht.
Das ist tröstlicher, als ich es aufschreiben kann.

gesungen, fast geflüstert

Sie fliegen aus am Morgen,
sie kommen heim am Abend …

gesprochen

Heute öffne ich das dritte Glas.

Wind, das Summen verklingt

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Ein Volk ohne Imker
Dass ein ungepflegter Stock über Jahre lebt, kommt vor, ist aber selten geworden. Seit die Varroamilbe da ist, gehen unbehandelte Völker meist nach zwei bis drei Jahren ein. Überleben einzelne dennoch, liegt das an kleinen Völkern, häufigem Schwärmen und Zufall – nicht an Pflege.
Drei Waben, elf Gläser
Die Rechnung im September-Eintrag stimmt. Eine gut gefüllte Wabe gibt je nach Maß ein bis zwei Kilo Honig; aus drei Waben werden also gut fünf Kilo, und das sind rund elf Gläser zu einem halben Kilo.
Nicht mehr nehmen als übrig bleibt
Was sie sich selbst zur Regel macht, ist imkerliche Praxis. Ein Volk braucht fünfzehn bis zwanzig Kilo Vorrat für den Winter; geerntet wird nur, was darüber hinausgeht. Wer ohne Zufütterung imkert, muss besonders vorsichtig rechnen – sie hat niemanden, der ihr Zucker liefert.
Das tiefe Summen
Im Winter sitzt das Volk als dichte Kugel zusammen und hält sich durch Muskelzittern warm. Das Geräusch, das sie durch das Holz hört, ist der Grundton dieser Arbeit – gleichmäßig, tief und ohne jede Hektik.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Bericht über ein Bienenvolk“ von Herbert Vitzthum, frei nach Marlen Haushofer – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum, frei nach Marlen Haushofer (1920–1970), Die Wand (1963)
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Melodram für gesprochene Frauenstimme mit gesungenem Refrain, Cello und Klavier
Bild: KI-generiert