Zehnter Mai.
Ich weiß nicht, ob es der zehnte ist.
Ich habe aufgehört, mich darauf zu verlassen.
Heute habe ich hinter der Hütte einen Bienenstock gefunden,
unter dem alten Holunder.
Jemand muss ihn vor Jahren aufgestellt haben.
Niemand hat ihn gepflegt.
Die Bienen leben trotzdem.
Sie fliegen aus am Morgen,
sie kommen heim am Abend,
sie fragen nicht, warum.
Zwölfter Juni.
Ich habe beobachtet, wohin sie fliegen.
Die meisten fliegen zur Wiese am Bach.
Einige aber fliegen dorthin, wo die Wand ist.
Ich habe lange gewartet.
Sie kommen zurück.
Ich weiß nicht, ob sie die Wand passieren
oder ob sie davor umkehren.
Ich will es nicht wissen.
Es genügt mir, dass sie zurückkommen.
Sie fliegen aus am Morgen,
sie kommen heim am Abend,
und ich zähle sie nicht.
Achtzehnter Juli.
Heute hat mich eine Biene gestochen,
in die Hand, als ich zu nahe am Flugloch saß.
Es tat weh, und ich war beinahe froh darüber.
Es war das erste Mal seit langer Zeit,
dass ein anderes Lebewesen sich gegen mich gewehrt hat.
Ich habe mich entschuldigt. Laut.
Das kommt jetzt öfter vor, dass ich laut spreche.
September.
Ich habe drei Waben genommen, nicht mehr.
Ich habe gelernt, dass man nicht mehr nehmen darf,
als übrig bleibt. Das gilt hier für alles.
Elf Gläser.
Ich habe beschlossen, jeden Monat eines zu öffnen.
So werde ich wissen, wie viel Zeit vergangen ist,
auch wenn ich die Tage verliere.
Hinter der Wand ist alles still,
vor der Wand summt es noch.
Ich weiß nicht, wem ich das erzähle.
Ich erzähle es doch.
Dezember.
Der Stock ist still geworden.
Wenn ich das Ohr an das Holz lege,
höre ich ein Summen, sehr tief, wie aus großer Entfernung.
Sie halten sich gegenseitig warm.
Sie wissen nichts von mir.
Sie brauchen mich nicht.
Das ist tröstlicher, als ich es aufschreiben kann.
Sie fliegen aus am Morgen,
sie kommen heim am Abend …
Heute öffne ich das dritte Glas.
Wind, das Summen verklingt