Die Bienen
In Linz, da lebten zwei Bienen,
die träumten von Sizilien.
Bei Ebelsberg, im Traunufer-Klee,
da taten ihnen die Flügel weh,
und da verzichteten sie weise
dann auf den letzten Teil der Reise.
Vier kleine Nummern nach Joachim Ringelnatz
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Joachim Ringelnatz hat Gedichte geschrieben, die in vier Zeilen auskommen und trotzdem hängenbleiben. Drei davon stehen hier Pate, und zwei sind so berühmt, dass man sie beim ersten Ton wiedererkennt.
Aus den zwei Ameisen, die von Hamburg nach Australien wollten und schon bei Altona umkehrten, werden zwei Bienen aus Linz mit Sehnsucht nach Sizilien – weiter als bis Ebelsberg kommen sie nicht. Der Bumerang, der bei Ringelnatz nicht zurückkam, sieht hier einer Biene zu, die jedes Mal heimfindet, und schämt sich. Und Kuttel Daddeldu, Ringelnatz' trinkfester Matrose, legt in Linz an, weil es dort Met gibt, und redet einen Bienenstand mit „Ihr Weiber!“ an. Das geht aus, wie es ausgehen muss.
Dann bricht die Musik ab, und der vierte Teil hat kein Vorbild mehr. Nur Klavier, ganz leise. „Wenn ich einmal sterbe, setzt mir keinen Stein; setzt mir eine Linde – da summt es dann hinein.“ Diese Wendung vom Spott ins Zarte ist das Ringelnatzigste am ganzen Stück.
In Linz, da lebten zwei Bienen,
die träumten von Sizilien.
Bei Ebelsberg, im Traunufer-Klee,
da taten ihnen die Flügel weh,
und da verzichteten sie weise
dann auf den letzten Teil der Reise.
War einmal ein Bumerang,
der sah einer Biene lang
zu, wie sie ein Stück weit flog
und jedes Mal den Bogen zog
zurück nach Haus, mit Pollen schwer.
Der Bumerang, der schämt' sich sehr.
Kuttel Daddeldu legte in Linz an der Donau an,
weil man dort, hört man, Met trinken kann.
Er trank ein Horn, er trank noch zwei,
dann summte er selbst und schwankte vorbei
an einem Bienenstand im Grünen
und rief: „Ihr Weiber! Wollt ihr mich bedienen?“
Da stach ihn eine dorthin, wo man sitzt –
seitdem trinkt Kuttel Bier.
Und schwitzt.
Wenn ich einmal sterbe,
setzt mir keinen Stein;
setzt mir eine Linde –
da summt es dann hinein.
Und wer dann vorübergeht
im Juni, abends spät,
der hört mich ein bisschen summen
und weiß nicht, wer da steht.
Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:
„Bienen, Matrosen und eine Linde“ von Herbert Vitzthum, frei nach Joachim Ringelnatz – CC BY 4.0
Text und Idee: Herbert Vitzthum, frei nach Joachim Ringelnatz (1883–1934)
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Bänkelsang mit Akkordeon und Klavier, im Ton von Ringelnatz
Bild: KI-generiert