Cover zu Das sanfte Gesetz
Melodram für Sprecher, Chor, Klavier und Streichquartett

Das sanfte Gesetz

Ein Melodram nach Adalbert Stifter

KI-Musik4:14 · Album: Dichter im Bienenhaus · veröffentlicht am 8. Oktober 2026

Direkter Link zu diesem Lied: imkerlieder.at/lieder/das-sanfte-gesetz

Adalbert Stifter hat 1853 der Sammlung Bunte Steine eine Vorrede vorangestellt, die seither zu den berühmtesten Sätzen der österreichischen Literatur zählt. Er nennt darin das Wehen der Luft und das Rieseln des Wassers groß – und Gewitter, Blitz und Erdbeben ausdrücklich kleiner. Das Stetige und Unscheinbare erhalte die Welt, nicht das Spektakuläre. Er nannte es das sanfte Gesetz.

Dieses Stück fügt der Aufzählung eine Zeile hinzu – „und, so möchte ich hinzufügen, das Summen der Biene“ – und erzählt den Rest in Stifters eigenem Ton. Ein Haus auf einer sanften Anhöhe zwischen Rosen und Obstbäumen, die blauen Linien des Waldes am Horizont, dahinter zwölf Strohkörbe unter zwei Linden. Wer den Nachsommer kennt, erkennt das Rosenhaus.

Der alte Herr sagt den Satz, auf den alles zuläuft. „Hier wird ein ganzer Sommer in Süße verwandelt, und es geschieht, ohne dass ein einziges Wort darüber gesprochen wird.“

Dass dieses Lied in Oberösterreich entsteht, hat seine Richtigkeit – Stifter war ab 1850 Schulrat für dieses Land und ist 1868 in Linz gestorben.

Vorspiel – Klaviermuster allein, dann Streicher, sehr ruhig gesprochen – der Erzähler, langsam

„Das Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers,
das Wachsen der Getreide, das Grünen der Erde,
das Glänzen des Himmels halte ich für groß.“
Und, so möchte ich hinzufügen:
das Summen der Biene.

Refrain – Chor, leise und schwebend

Das Große ist leise,
das Kleine ist groß;
die Biene zieht Kreise –
das sanfte Gesetz.

gesprochen – der Erzähler

Es war in einem jener Sommer, die man später für die schönsten hält,
ohne sagen zu können, warum.
Ich war in das Haus des alten Herrn gekommen,
das zwischen Rosen und Obstbäumen auf einer sanften Anhöhe lag,
und man sah von dort, bei klarem Wetter,
die blauen Linien des Waldes.
Hinter dem Haus, unter zwei Linden, standen die Bienenstöcke,
zwölf an der Zahl, aus Stroh geflochten,
und vor ihnen war der Rasen so gemäht,
dass die Fluglöcher frei im Lichte lagen.

das Klavier wird etwas bewegter

Ich saß dort viele Stunden.
Ich sah, wie die Bienen ausflogen,
die einen hoch über die Linden, die anderen niedrig gegen die Wiese,
und wie sie wiederkamen,
mit gelben, mit roten, mit beinahe weißen Höschen an den Beinen,
je nachdem, von welchen Blumen sie kamen.
Keine kam ohne Last.
Keine hatte Eile.
Und doch war alles in Bewegung.

Refrain – Chor, etwas voller

Das Große ist leise,
das Kleine ist groß;
die Biene zieht Kreise –
das sanfte Gesetz.

gesprochen – die Stimme des alten Herrn, ruhiger und älter

Der alte Herr setzte sich zu mir.
Er sprach lange nichts.
Dann sagte er:
„Wir Menschen suchen das Große im Lauten,
im Sturm, im Feuer, in der Tat, von der man spricht.
Aber hier, sehen Sie, wird ein ganzer Sommer
in Süße verwandelt,
und es geschieht, ohne dass ein einziges Wort darüber gesprochen wird.
Es ist das Wiederholte, das Geduldige, das Kleine,
das die Welt erhält.“

Zwischenspiel – Streichquartett, das Klaviermuster läuft weiter gesprochen – der Erzähler, sehr leise

Als ich am Abend fortging, war die Luft noch warm,
und aus den Linden kam ein Ton,
den man nicht hörte, wenn man auf ihn horchte,
und den man erst bemerkte,
als er aufgehört hatte.

Refrain – Chor, ganz leise und langsam

Das Große ist leise,
das Kleine ist groß;
die Biene zieht Kreise –
das sanfte Gesetz.

Das Klaviermuster wird langsamer, ein letzter Ton

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Strohkörbe
Vor den Holzbeuten wurden Bienen jahrhundertelang in geflochtenen Strohkörben gehalten, den sogenannten Klotz- oder Stülpkörben. Zwölf davon unter zwei Linden, wie hier beschrieben, war für einen gut geführten Stand des 19. Jahrhunderts eine stattliche Zahl.
Die Farben der Höschen
Dass die Sammlerinnen mit gelben, roten und beinahe weißen Höschen heimkehren, ist genau beobachtet. Jede Trachtpflanze färbt den Pollen anders – wer am Flugloch sitzt, kann daran ablesen, was gerade blüht, ohne die Wiese zu sehen.
Freies Flugloch
Dass der Rasen vor den Körben kurz gehalten wird, hat einen Grund. Hohes Gras vor dem Einflug bremst die heimkehrenden Bienen und macht sie bei Nässe anfällig – ein freier, sonniger Anflug gehört zu einem gut gehaltenen Stand.
Der Ton der Linde
Eine blühende Linde ist auf mehrere Schritte hörbar, ein gleichmäßiges, hohes Summen aus der ganzen Krone. Die Beobachtung am Schluss trifft genau zu – man bemerkt diesen Ton meist erst, wenn er aufhört.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Das sanfte Gesetz“ von Herbert Vitzthum, frei nach Adalbert Stifter – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum, frei nach Adalbert Stifter (1805–1868), seinem „sanften Gesetz“ und dem Ton des Nachsommers
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Melodram für Sprecher, Chor, Klavier und Streichquartett
Bild: KI-generiert