Dein alter Schleier hängt noch dort,
als wärst du nur für heute fort.
Die Sonne fällt durchs Fenster ein,
ich geh zum ersten Mal allein.
Dein Stockmeißel liegt neben mir,
ich greif danach, als käm er von dir.
Dann heb ich einen Deckel an
und fang, wie du's mir zeigtest, an.
Die Bienen fliegen in den Tag,
ich hör den Klang, den du so magst.
Der Frühling kommt zurück ins Land,
nur du fehlst hier am Bienenstand.
Und alles, was ich heute seh,
tut gut und tut zugleich so weh.
Du sagtest: „Lass dir etwas Zeit,
die Bienen sind noch nicht so weit.“
Ich wollte immer schneller sein.
Heut fällt mir jeder Satz noch ein.
Die erste Wabe, schwer und warm,
lag damals zitternd in meinem Arm.
Du hieltest meine Hände still.
Jetzt fehlt die Hand, die helfen will.
Die Bienen fliegen in den Tag,
ich hör den Klang, den du so magst.
Der Frühling kommt zurück ins Land,
nur du fehlst hier am Bienenstand.
Und alles, was ich heute seh,
tut gut und tut zugleich so weh.
Den ersten Honig dieses Jahr
füll ich ins Glas, wie's immer war.
Ich stell es auf den Küchentisch.
Ein Glas für dich.
Ganz so, als gäb es dich.
Die Bienen fliegen in den Tag,
ich hör den Klang, den du so magst.
Der Frühling kommt zurück ins Land,
ich bleib noch hier am Bienenstand.
Ich schließ die Kästen, Stück für Stück,
und lass dein leeres Glas zurück.
Dein alter Schleier hängt noch dort.
Ich bring es nicht fertig.
Er kommt nicht fort.