Cover zu Dein Platz am Bienenstand
Stille Ballade

Dein Platz am Bienenstand

Der erste Frühling allein am Stand

KI-Musik3:37 · Album: Stille Stunden · veröffentlicht am 8. Oktober 2026

Direkter Link zu diesem Lied: imkerlieder.at/lieder/dein-platz-am-bienenstand

Imkern wird selten aus einem Buch gelernt. Meist steht am Anfang ein Mensch, der einem die erste Wabe in die Hand gibt und die Hände dabei festhält, damit sie nicht zittern. Dieses Lied handelt vom ersten Frühling ohne diesen Menschen.

Es erzählt das an Gegenständen, und das ist seine Stärke. Der Schleier, der noch am Haken hängt, „als wärst du nur für heute fort“. Der Stockmeißel, nach dem die Hand greift, als käme er von dort drüben. Die Sätze, die einem heute alle wieder einfallen – „Lass dir etwas Zeit, die Bienen sind noch nicht so weit.“

In der Bridge steht die Geste, um die es eigentlich geht – der erste Honig des Jahres wird abgefüllt wie immer, und ein Glas kommt auf den Küchentisch. „Ein Glas für dich. Ganz so, als gäb es dich.“ Am Ende wird es zurückgelassen, und der Schleier bleibt hängen.

Dein alter Schleier hängt noch dort,
als wärst du nur für heute fort.
Die Sonne fällt durchs Fenster ein,
ich geh zum ersten Mal allein.
Dein Stockmeißel liegt neben mir,
ich greif danach, als käm er von dir.
Dann heb ich einen Deckel an
und fang, wie du's mir zeigtest, an.

Refrain

Die Bienen fliegen in den Tag,
ich hör den Klang, den du so magst.
Der Frühling kommt zurück ins Land,
nur du fehlst hier am Bienenstand.
Und alles, was ich heute seh,
tut gut und tut zugleich so weh.

Du sagtest: „Lass dir etwas Zeit,
die Bienen sind noch nicht so weit.“
Ich wollte immer schneller sein.
Heut fällt mir jeder Satz noch ein.
Die erste Wabe, schwer und warm,
lag damals zitternd in meinem Arm.
Du hieltest meine Hände still.
Jetzt fehlt die Hand, die helfen will.

Refrain

Die Bienen fliegen in den Tag,
ich hör den Klang, den du so magst.
Der Frühling kommt zurück ins Land,
nur du fehlst hier am Bienenstand.
Und alles, was ich heute seh,
tut gut und tut zugleich so weh.

Den ersten Honig dieses Jahr
füll ich ins Glas, wie's immer war.
Ich stell es auf den Küchentisch.
Ein Glas für dich.
Ganz so, als gäb es dich.

Refrain

Die Bienen fliegen in den Tag,
ich hör den Klang, den du so magst.
Der Frühling kommt zurück ins Land,
ich bleib noch hier am Bienenstand.
Ich schließ die Kästen, Stück für Stück,
und lass dein leeres Glas zurück.

leise, zum Schluss

Dein alter Schleier hängt noch dort.
Ich bring es nicht fertig.
Er kommt nicht fort.

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Stockmeißel
Das meistbenutzte Werkzeug überhaupt – ein flaches Eisen, mit dem die vom Kittharz verklebten Rähmchen gelöst werden. Jeder hat seinen eigenen, und nach Jahren liegt er so in der Hand, dass ein fremder sich falsch anfühlt.
Das erste Öffnen im Frühjahr
Man wartet damit auf einen warmen, windstillen Tag. Wird zu früh geöffnet, kühlt die Brut aus – daher der Satz, dass die Bienen noch nicht so weit sind. Fast alles am Imkern ist eine Übung im Abwarten.
Die Wabe
Eine volle Honigwabe wiegt gut zweieinhalb Kilo, und aus dem Brutnest gehoben ist sie spürbar warm. Wer sie zum ersten Mal in den Händen hält, hält etwas Lebendiges – darum zittern die Hände.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Dein Platz am Bienenstand“ von Herbert Vitzthum – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Stille Ballade
Bild: KI-generiert