Cover zu Der Frühstückshonig
Gesprochener Sketch mit Streichquartett

Der Frühstückshonig

Eberhard, Renate und ein Glas Rapshonig

KI-Musik2:51 · Album: Für Honiggenießer · veröffentlicht am 9. Oktober 2026

Direkter Link zu diesem Lied: imkerlieder.at/lieder/der-fruehstueckshonig

Dieser Sketch braucht keine Pointe, er braucht eine tickende Uhr. Zwei Menschen sitzen am Frühstückstisch, einer bekommt das Messer nicht in den Honig, und daraus entsteht in zweieinhalb Minuten ein vollständiges Eheporträt. Wer Loriots Frühstücksei kennt, weiß nach dem zweiten Satz, wo er ist – und das angebotene Ei kommt hier natürlich auch vor.

Das Schöne daran ist, dass Renate in jedem einzelnen Punkt recht hat. Rapshonig wird fest, Akazie bleibt flüssig, der Traubenzucker kristallisiert, das Wasserbad darf nicht über vierzig Grad – sie hat das im Imkerkurs gelernt, dienstags, nach dem Yoga. Eberhard bestreitet nichts davon. Er möchte nur, dass der Honig nicht wird, sondern ist.

Und dann nimmt er das Glas in die Hand und wärmt es. Stundenlang, wenn es sein muss, denn er ist pensioniert. Dass ausgerechnet er am Ende fragt, was man im Imkerkurs sonst noch lernt, und die Antwort „Geduld“ mit einem „Ah“ quittiert, ist der eigentliche Schluss – der Erzähler sagt danach nur noch, was ohnehin alle wissen.

Vorspiel – Streichquartett, heiter, dann Stille, eine Uhr tickt, Besteck klappert Eberhard

Renate?

Renate

Ja?

Eberhard

Der Honig ist fest.

Renate

Er ist cremig.

Eberhard

Er ist fest, Renate. Ich bekomme das Messer nicht hinein.

Renate

Das ist Rapshonig. Der wird so.

Eberhard

Ich möchte nicht, dass er wird. Ich möchte, dass er ist.

Renate

Was?

Eberhard

Flüssig.

Renate

Dann musst du Akazie kaufen.

Eberhard

Ich kaufe keinen Honig. Ich esse ihn.

Renate

Dann iss ihn eben fest.

Pause, die Uhr tickt Eberhard

Früher war der Honig flüssig.

Renate

Früher war der Honig auch Akazie.

Eberhard

Woher weißt du das?

Renate

Ich habe einen Imkerkurs gemacht.

Eberhard

Wann?

Renate

Im Frühjahr. Dienstags.

Eberhard

Ich dachte, du warst dienstags beim Yoga.

Renate

Ich war beim Yoga. Und danach beim Imkerkurs.

Eberhard

Und was hast du davon?

Renate

Ich weiß jetzt, warum Honig fest wird.

Eberhard

Warum?

Renate

Der Traubenzucker kristallisiert. Das ist ein Qualitätsmerkmal.

Eberhard

Ein Qualitätsmerkmal.

Renate

Ja.

Eberhard

Dass ich ihn nicht aufs Brot bekomme.

Renate

Man kann ihn im Wasserbad erwärmen. Aber nicht über vierzig Grad.

Eberhard

Ich mache kein Wasserbad, Renate. Es ist Sonntag.

lange Pause, die Uhr tickt Eberhard

Wie warm ist er jetzt?

Renate

Zimmertemperatur.

Eberhard

Und wenn ich ihn in die Hand nehme?

Renate

Dann ist er warm in deiner Hand.

ein Glas wird in die Hand genommen – lange Pause, die Uhr tickt Renate

Eberhard, was machst du?

Eberhard

Ich wärme den Honig.

Renate

Das dauert Stunden.

Eberhard

Ich habe Zeit. Ich bin pensioniert.

Pause Renate

Möchtest du nicht lieber ein Ei?

Eberhard, sehr ruhig

Nein.

Pause Eberhard

Renate?

Renate

Ja?

Eberhard

Was macht man im Imkerkurs sonst noch?

Renate

Man lernt, Geduld zu haben.

Eberhard

Ah.

der Erzähler, ruhig und sachlich

Ein Frühstück ohne Honig ist möglich.
Aber sinnlos.

Nachspiel – Streichquartett, heiter

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Rapshonig
Er hat besonders viel Traubenzucker und wird deshalb schon wenige Tage nach der Ernte fest – schneller als jeder andere heimische Honig. Eberhards Problem ist also kein Einzelfall, sondern die Regel bei Raps.
Cremighonig
Rührt man einen Honig während des Festwerdens täglich, bleiben die Kristalle winzig und er wird streichfähig statt hart. Das ist mit „cremig“ gemeint, und es ist ein Arbeitsschritt der Imkerin, kein Zufall. Ungerührter Rapshonig wird dagegen grobkörnig und fest – genau der im Glas.
Akazienhonig
Streng genommen Robinienhonig. Er enthält viel Fruchtzucker und wenig Traubenzucker und bleibt deshalb oft über ein Jahr flüssig – der Honig, zu dem Renate rät.
Wasserbad
Fester Honig wird wieder weich, wenn man das Glas langsam im warmen Wasser erwärmt. Über vierzig Grad darf es dabei nicht gehen, sonst gehen die Enzyme verloren. Eberhards Handwärme von etwa fünfunddreißig Grad ist also sogar die schonendste Methode – nur eben die langsamste.
Qualitätsmerkmal
Renates Satz stimmt. Dass ein Honig fest wird, zeigt, dass er weder stark erhitzt noch filtriert wurde. Industriell behandelter Honig bleibt oft jahrelang flüssig, weil ihm genau das genommen wurde, was Eberhard gerade aufhält.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Der Frühstückshonig“ von Herbert Vitzthum, frei nach Loriot – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum, frei nach Loriot (1923–2011), Das Frühstücksei
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Gesprochener Sketch mit Streichquartett
Bild: KI-generiert