Cover zu Drei Lieder für die Biene
Kunstlied für Singstimme und Klavier, im Ton der Mörike-Lieder

Drei Lieder für die Biene

Ein kleiner Zyklus nach Eduard Mörike – Frühling, Winternacht und ein Gebet

KI-Musik3:24 · Album: Dichter im Bienenhaus · veröffentlicht am 8. Oktober 2026

Direkter Link zu diesem Lied: imkerlieder.at/lieder/drei-lieder-fuer-die-biene

Eduard Mörike hat Gedichte geschrieben, die man nach zwei Zeilen wiedererkennt, und Hugo Wolf hat 1888 dreiundfünfzig davon vertont. Dieser kleine Zyklus borgt sich drei und stellt Bienen hinein.

Im ersten wird aus dem blauen Band des Frühlings ein goldenes aus Summen. Das zweite verlegt Mörikes nächtliche Stille in den verschneiten Garten – jemand legt das Ohr ans kalte Holz und hört, dass es drinnen lebt. Das dritte ist das erstaunlichste.

Mörikes Gebet endet mit den Zeilen „Wollest mit Freuden / und wollest mit Leiden / mich nicht überschütten! / Doch in der Mitten / liegt holdes Bescheiden.“ Diese fünf Zeilen bleiben hier Wort für Wort stehen. Nur der Anfang ist ausgetauscht – aus der Bitte um ein maßvolles Schicksal wird die Bitte, maßvoll zu ernten. „Was sie für sich gesammelt haben, das bleibe ihnen für die Nacht.“

Damit bekommt Mörikes „holdes Bescheiden“ plötzlich eine ganz praktische Bedeutung. Wie viel Honig darf man nehmen? Genau diese Frage stellt sich jede Imkerin und jeder Imker im Spätsommer.

I

Sie ist's

Frühling, Klavier flatternd, hell

Summend zieht ein goldnes Band
wieder leise durch die Lüfte;
Weidenkätzchen, Krokusdüfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Flugbrett wärmt sich schon –
willst du balde kommen?
– Horch, von fern ein feiner Flügelton!
Biene, ja, du bist's!
Dich hab' ich vernommen!

Klavier-Nachspiel, Übergang in stille Akkorde
II

Um Mitternacht im Bienenhaus

Winter, langsam, sehr leise

Gelassen liegt der Schnee im Garten,
der Mond hängt still am Apfelbaum,
und in den Körben, die da warten,
summt leis' ein tausendfacher Traum.

Ich leg' mein Ohr ans kalte Holz,
und drinnen glüht's wie eine Kerze,
so zart, so ohne allen Stolz –
ein Herz, gewärmt von tausend Herzen.

Sie wissen nichts von meinem Lauschen,
sie wissen nichts von Zeit und Jahr;
sie hören nur ihr eignes Rauschen,
das schon vor allen Zeiten war.

Und ich, mit kaltem Ohr am Spalte,
ich werd' so still, ich werd' so klein –
als ob der Herrgott selbst mich halte
in diesem warmen, leisen Schein.

Klavier-Zwischenspiel, Übergang zum Choral
III

Gebet des Imkers

choralartig, innig

Herr, wenn ich nehme aus den Waben,
so lass mich nehmen mit Bedacht:
Was sie für sich gesammelt haben,
das bleibe ihnen für die Nacht.

Wollest mit Freuden
und wollest mit Leiden
mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten
liegt holdes Bescheiden.

Klavier-Nachspiel, ruhiger Schlussakkord

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Flugbrett
Das Brett vor dem Flugloch, auf dem die heimkehrenden Bienen landen. An den ersten warmen Tagen wärmt es sich in der Sonne und wird zum Treffpunkt – dort sieht man als Erstes, dass ein Volk wieder aktiv ist.
Weidenkätzchen
Die Blüte der Salweide, oft die allererste Pollenquelle des Jahres. Ihr Pollen bringt die Brutaufzucht in Gang, lange bevor etwas anderes blüht.
Bienenkorb
Die alte Behausung aus Stroh, geflochten und mit Lehm verstrichen. Vor den Holzkästen war das jahrhundertelang die Regel – daher die „Körbe“ im zweiten Lied.
Abhorchen
Im Winter wird nicht geöffnet, sondern gehorcht. Ein Ohr ans Holz, ein leichtes Klopfen – antwortet ein kurzes Aufbrausen und wird es dann wieder still, ist alles in Ordnung.
Winterfutter
Ein Volk braucht je nach Beute rund fünfzehn bis zwanzig Kilogramm Vorrat, um über den Winter zu kommen. Was darüber hinaus da ist, darf geerntet werden – und genau davon handelt das dritte Lied.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Drei Lieder für die Biene“ von Herbert Vitzthum, frei nach Eduard Mörike – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum, frei nach Eduard Mörike (1804–1875), vertont von Hugo Wolf (1860–1903)
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Kunstlied für Singstimme und Klavier, im Ton der Mörike-Lieder
Bild: KI-generiert