Meine Damen und Herren.
Ich habe eine Mitteilung zu machen.
Ich lebe still im dritten Stock, ganz ohne Aufsehen,
ein Herr von Welt, mit Hut und Stock und gutem Ton;
doch seit dem Mai, da muss ich offen eingestehen:
Ich hab' ein Bienenvolk auf dem Balkon.
Ich hab' ein Bienenvolk auf dem Balkon,
die Damen summen um halb sechs schon,
sie kommen, gehen, fliegen ohne Pardon –
ich hab' ein Bienenvolk auf dem Balkon.
In meiner Wohnung lebt seither ein Damenkränzchen,
mit fünfzigtausend Gästen, schick in Schwarz und Gold;
sie tanzen auf dem Flugbrett manches kleine Tänzchen –
nur mich hat keine je zum Tanz geholt.
Ich hab' ein Bienenvolk auf dem Balkon,
die Damen summen um halb sechs schon,
sie kommen, gehen, fliegen ohne Pardon –
ich hab' ein Bienenvolk auf dem Balkon.
Frau Kaltenbrunner nebenan hat sich beschwert:
„Herr Nachbar, das ist gegen die Hausordnung!“
Ich sag': „Gnädige Frau, Ihr Einwand ist mir wert –
doch kein Haus der Welt hat bessere Ordnung.“
Seit gestern steht ein Glas bei ihr am Fensterbrett,
mit Lindenhonig, golden wie ein Abendlicht;
und heute früh, da klopfte es, ganz still und nett:
„Herr Nachbar … hätten S' noch ein zweites? Oder nicht?“
Ich hab' ein Bienenvolk auf dem Balkon,
die Damen summen um halb sechs schon,
sie kommen, gehen, fliegen ohne Pardon –
ich hab' ein Bienenvolk …
… und ein zweites schon.
gesprochen, mit unbewegter MieneMeine Damen und Herren, ich danke Ihnen.
Die Damen auf dem Balkon danken ebenfalls.