Ich sitz in der letzten Reihe,
den Block in der Hand, das Herz im Hals;
ich hab noch nie eine Biene gehalten –
ich hab nur Angst gehabt. Vor allem. Jedenfalls.
Komm nur her, komm nur her,
das ging uns allen so.
Die Lehrerin sagt: „Willkommen!“,
und zeigt uns eine Wabe ganz aus Gold;
sie sagt: „Ihr werdet staunen, ihr werdet lernen –
und ihr werdet's lieben. Ob ihr's wollt oder nicht. Ihr wollt.“
Ich hab noch nie eine Biene gehalten,
doch heute fang ich an!
Ich hab noch nie eine Biene gehalten –
Halleluja! – heute fang ich an!
Ich lern vom Bien, vom Schwänzeltanz,
vom Wabenbau, vom Jahreskreis;
ich meld' den Stand an, so wie's sein muss,
und hab bald eine Patin, die alles weiß.
Sie zeigt dir, wie, sie zeigt dir, wie!
die Solostimme, aufgeregtUnd dann der Tag: Schleier über'n Kopf,
der Smoker raucht, die Hände zittern sehr;
ich heb die erste Wabe aus dem Volk –
und da! Ein weißer Punkt! Die Königin! Ich seh sie! Wer hätte das gedacht? Ich! Ja, ich – mehr!
Ich hab noch nie eine Biene gehalten,
doch heute halt ich sie!
Ich hab noch nie eine Biene gehalten –
Halleluja! – und vergess es nie!
Ich wurde gestochen. Ja, das gehört dazu.
Ich zählte Milben auf der Windel, ganz genau.
Ich behandelte, ich fütterte, ich wartete –
und dann kam der Winter. Lang. Und grau.
Und ich hab nachts gelegen und gedacht:
„Leben sie noch? Hab ich alles richtig gemacht?“
Wir haben alle so gelegen.
Wir haben alle so gewacht.
Und dann im März, der erste warme Tag –
ich lauf hinaus, ich leg mein Ohr ans Holz;
und es summt! Es summt! Sie leben!
Ich hab geweint. Und war so stolz!
Sie leben! Sie leben! Halleluja!
die Solostimme, strahlendUnd im Sommer, schwer und golden,
die Waben voll, verdeckelt, gut;
das Refraktometer sagt: Siebzehn!
Ich schleuder meinen ersten Honig. Mit Herz und Mut!
Ich hab noch nie eine Biene gehalten –
und jetzt hab ich mein eignes Volk!
Ich hab noch nie eine Biene gehalten –
und jetzt halt ich ihren Honig, Gold!
Halleluja! Halleluja!
Aus der letzten Reihe bis zum eignen Stand –
Halleluja! Halleluja!
Mit den Bienen, Hand in Hand!
Und nächstes Jahr …
sitzt einer in der letzten Reihe …
und ich sag ihm: „Komm nur her.“
Komm nur her. Das ging uns allen so.