Cover zu Mein erstes Jahr
Erzähllied für Frauenstimme

Mein erstes Jahr

Vom Heft im Jänner bis zum ersten Glas im August

KI-Musik3:20 · Album: Lieder für Imkerinnen · veröffentlicht am 10. Oktober 2026

Direkter Link zu diesem Lied: imkerlieder.at/lieder/mein-erstes-jahr

Der schönste Satz über das erste Imkerjahr steht gleich im ersten Vers. Im Jänner saß sie im Kurs und hat alles sauber aufgeschrieben, und im April stand die Kiste da und summte – „und alles, was im Heft stand, hat sich leise weggedrückt“. Wer schon einmal zum ersten Mal allein vor einem offenen Volk gestanden ist, kennt diesen Moment.

Dann kommt die Patin, schaut einmal hin und sagt den Satz, den im Kurs niemand vorbereitet hat: „Die sitzt doch da, du Dummerl.“ Es wird gelacht, und das ist die ganze Lektion. Im August dann zwölf Kilo, nicht viel, aber verschenkt wie Gold.

Am stärksten ist die Bridge, weil sie die Frage beantwortet, die jede Anfängerin gestellt bekommt – ob sich das denn lohne. Die Antwort nennt keine Kilos und keine Ruhe, sondern lautet: „Komm mit im Frühjahr, stell dich neben mich.“ Und im Schlussrefrain singt sie nicht mehr über sich, sondern über die Nächste.

Im Jänner saß ich noch im Kurs und schrieb mir alles auf.
Im Heft stand alles sauber drin, ich war so richtig drauf.
Im April stand dann die Kiste da, es summte wie verrückt,
und alles, was im Heft stand, hat sich leise weggedrückt.

Der Schleier schief, der Rauch im Gesicht.
Die Königin gesucht – und gefunden hab ich's nicht.

Refrain

Das war mein erstes Jahr, und ich hab's so geliebt.
Ich wusste gar nicht, dass es so was für mich gibt.
Der erste Stich, das erste Glas, das erste Mal allein –
ich hab mich nie so klein gefühlt und war noch nie so mein.

Im Juni kam die Patin und hat einmal nur geschaut:
„Die sitzt doch da, du Dummerl“ – und dann lachten wir ganz laut.
Im August das erste Glas, zwölf Kilo, nicht sehr viel.
Ich hab's verschenkt wie Gold, und das war ganz genau mein Stil.

Die Hände dick, die Küche ein Graus –
und trotzdem ging ich abends noch mal schnell zu ihnen raus.

Refrain

Das war mein erstes Jahr, und ich hab's so geliebt.
Ich wusste gar nicht, dass es so was für mich gibt.
Der erste Stich, das erste Glas, das erste Mal allein –
ich hab mich nie so klein gefühlt und war noch nie so mein.

Und wenn im Winter eine fragt: „Sag, lohnt sich das denn, du?“,
dann sag ich nichts von Kilos, und ich sag nichts von der Ruh.
Ich sag: „Komm mit im Frühjahr, stell dich neben mich.“
Den Rest erzählen die dir selbst, die brauchen dazu mich nicht.

Refrain

Das wird dein erstes Jahr, und du wirst es lieben.
Es steht in keinem Heft, es steht nirgends geschrieben.
Der erste Stich, das erste Glas, das erste Mal allein –
du wirst dich klein fühlen, Schwester, und ganz bei dir sein.

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Stifte statt Königin
Die Königin nicht zu finden, ist keine Schande und meistens auch nicht nötig. Es genügt, frische Eier zu sehen – kleine weiße Stäbchen, die senkrecht in der Zelle stehen. Sie sind höchstens drei Tage alt, also war die Königin vor Kurzem da. Genau darauf hat die Patin im Lied hingeschaut.
Die Patin
Viele Vereine stellen Anfängerinnen jemanden Erfahrenen an die Seite, der im ersten Jahr mitschaut und erreichbar ist. Der Nutzen liegt weniger im Fachwissen als in zwei Minuten am offenen Volk, die ein ganzes Kurswochenende ersetzen.
Zwölf Kilo
Für ein erstes Jahr ist das eine normale Ernte. Ein junges Volk muss zuerst Waben bauen, Brut aufziehen und stark werden; Überschuss bleibt wenig übrig. Erst ab dem zweiten Jahr sind größere Erträge zu erwarten.
Der erste Stich
Die dicken Hände gehören dazu. Anfängerinnen reagieren oft mit deutlicher Schwellung, die über Tage anhält; mit der Zeit fällt sie bei vielen schwächer aus. Bleiben Atemnot oder Ausschlag am ganzen Körper aus, ist das eine normale örtliche Reaktion.
Abfüllen zu Hause
Die Küche als Graus ist Alltag im ersten Jahr. Kleine Mengen dürfen in der eigenen Küche abgefüllt werden, sofern sie sauber und frei von Fremdgerüchen ist – ab einer gewissen Größe wird ein eigener, abwaschbarer Raum nötig.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Mein erstes Jahr“ von Herbert Vitzthum – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Erzähllied für Frauenstimme
Bild: KI-generiert