Die Imker, sagte Hollerbach,
die Imker sind die fürchterlichsten Menschen,
die man sich überhaupt vorstellen kann,
naturgemäß, sagte er, naturgemäß die fürchterlichsten,
weil sie glauben, sie hätten etwas mit der Biene zu tun,
während die Biene mit ihnen überhaupt nichts zu tun hat,
überhaupt nichts, sagte Hollerbach. Nicht das Geringste.
Vierzig Jahre bin ich zu den Versammlungen gegangen,
vierzig Jahre, sagte er,
in Wirtshäuser, in denen es nach Schweinsbraten riecht
und nach Vereinsfahne,
und habe mir angehört, wie über das Rähmchenmaß gestritten wird,
stundenlang über das Rähmchenmaß,
während draußen die Bienen das Einzige tun,
was in diesem Land überhaupt noch einen Sinn hat.
Die Biene ist vollkommen,
der Imker ist es nicht.
Naturgemäß, naturgemäß –
der Imker ist es nicht.
Und jetzt, sagte Hollerbach,
jetzt stellen sie die Bienenstöcke auf die Dächer der Banken,
auf die Dächer der Banken, sagte er,
und verkaufen den Honig in Gläsern mit Schleiferl
als Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit!, sagte er,
ein Wort, bei dem man auf der Stelle
das Land verlassen möchte.
Und bei der Landesversammlung spielen sie Bruckner,
Bruckner!, diesen Orgelschwulst,
und der Präsident hält eine Rede, die eine Stunde dauert
und nichts enthält als das Wort Zukunft,
dreißigmal das Wort Zukunft,
ich habe mitgezählt, sagte Hollerbach. Dreißigmal.
Die Biene ist vollkommen,
der Imker ist es nicht.
Naturgemäß, naturgemäß –
der Imker ist es nicht.
Und dennoch, sagte Hollerbach. Und dennoch
gehe ich jeden Morgen hinaus zu den Stöcken,
jeden Morgen, bei jedem Wetter,
und lege die Hand auf das Holz
und spüre, dass es drinnen warm ist.
Und das ist, sagte er,
das Einzige. Das Allereinzige.
Die Biene ist vollkommen …
das Ostinato setzt wieder ein und bricht mitten in der Figur ab gesprochenUnerträglich, sagte Hollerbach. Alles unerträglich.
Bis auf die Bienen.