Cover zu Schleudern. Eine Erregung
Spoken Word mit Klavier-Ostinato, Streichern und Bariton-Refrain

Schleudern. Eine Erregung

Hollerbach über die Imker, die Vereine und das Einzige, was bleibt

KI-Musik3:33 · Album: Dichter im Bienenhaus · veröffentlicht am 10. Oktober 2026

Direkter Link zu diesem Lied: imkerlieder.at/lieder/schleudern-eine-erregung

Die Vorlage gibt nicht nur den Ton vor, sondern den ganzen Apparat – das wiederholte „sagte Hollerbach“, das eingeschobene „naturgemäß“, die Steigerung ins Unerträgliche und die Tirade gegen das eigene Land. Wer Thomas Bernhard kennt, hört ihn nach zwei Zeilen; der Titel nennt die Vorlage ohnehin.

Hollerbach rechnet ab: mit vierzig Jahren Vereinsversammlungen in Wirtshäusern, die nach Schweinsbraten und Vereinsfahne riechen, mit dem stundenlangen Streit über das Rähmchenmaß, mit den Bienenstöcken auf den Dächern der Banken und dem Wort Nachhaltigkeit, „bei dem man auf der Stelle das Land verlassen möchte“. Und mit dem Präsidenten, der dreißigmal Zukunft sagt – „ich habe mitgezählt“.

Dann bricht die Musik ab, und es kommt die Wendung, die bei Bernhard genauso steht. „Und dennoch gehe ich jeden Morgen hinaus zu den Stöcken, bei jedem Wetter, und lege die Hand auf das Holz und spüre, dass es drinnen warm ist.“ Der Refrain hatte die ganze Zeit recht – die Biene ist vollkommen, der Imker ist es nicht.

Vorspiel – Klavier-Ostinato, kalt, immer dieselbe Figur gesprochen

Die Imker, sagte Hollerbach,
die Imker sind die fürchterlichsten Menschen,
die man sich überhaupt vorstellen kann,
naturgemäß, sagte er, naturgemäß die fürchterlichsten,
weil sie glauben, sie hätten etwas mit der Biene zu tun,
während die Biene mit ihnen überhaupt nichts zu tun hat,
überhaupt nichts, sagte Hollerbach. Nicht das Geringste.

gesprochen

Vierzig Jahre bin ich zu den Versammlungen gegangen,
vierzig Jahre, sagte er,
in Wirtshäuser, in denen es nach Schweinsbraten riecht
und nach Vereinsfahne,
und habe mir angehört, wie über das Rähmchenmaß gestritten wird,
stundenlang über das Rähmchenmaß,
während draußen die Bienen das Einzige tun,
was in diesem Land überhaupt noch einen Sinn hat.

Refrain – gesungen, Bariton, wie ein Choral

Die Biene ist vollkommen,
der Imker ist es nicht.
Naturgemäß, naturgemäß –
der Imker ist es nicht.

gesprochen, schneller, die Streicher setzen ein

Und jetzt, sagte Hollerbach,
jetzt stellen sie die Bienenstöcke auf die Dächer der Banken,
auf die Dächer der Banken, sagte er,
und verkaufen den Honig in Gläsern mit Schleiferl
als Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit!, sagte er,
ein Wort, bei dem man auf der Stelle
das Land verlassen möchte.

gesprochen, die Erregung auf dem Höhepunkt

Und bei der Landesversammlung spielen sie Bruckner,
Bruckner!, diesen Orgelschwulst,
und der Präsident hält eine Rede, die eine Stunde dauert
und nichts enthält als das Wort Zukunft,
dreißigmal das Wort Zukunft,
ich habe mitgezählt, sagte Hollerbach. Dreißigmal.

Refrain – gesungen, lauter, fast höhnisch

Die Biene ist vollkommen,
der Imker ist es nicht.
Naturgemäß, naturgemäß –
der Imker ist es nicht.

die Musik bricht ab. Stille. gesprochen, sehr leise, nur ein einzelner Klavierton

Und dennoch, sagte Hollerbach. Und dennoch
gehe ich jeden Morgen hinaus zu den Stöcken,
jeden Morgen, bei jedem Wetter,
und lege die Hand auf das Holz
und spüre, dass es drinnen warm ist.
Und das ist, sagte er,
das Einzige. Das Allereinzige.

Refrain – geflüstert gesungen

Die Biene ist vollkommen …

das Ostinato setzt wieder ein und bricht mitten in der Figur ab gesprochen

Unerträglich, sagte Hollerbach. Alles unerträglich.
Bis auf die Bienen.

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Das Rähmchenmaß
Worüber hier stundenlang gestritten wird, hat einen ernsten Kern. Rähmchen gibt es in mehreren Maßen, und sie sind nicht untereinander austauschbar – wer ein anderes Maß hat als der Nachbar, kann keine Waben tauschen, keine Ableger weitergeben und keine Geräte teilen. Deshalb ist die Frage in jedem Verein ein Dauerthema.
Bienen auf Bankdächern
Stadtvölker auf Firmendächern sind seit Jahren beliebt, und der Spott trifft einen wunden Punkt. Den Honigbienen geht es dort meist gut, der Natur aber wenig – gefährdet sind die Wildbienen, und zusätzliche Honigbienenvölker können ihnen die Tracht sogar streitig machen. Wer etwas tun will, pflanzt besser.
Die Wärme am Holz
Was Hollerbach am Schluss spürt, lässt sich wirklich fühlen. Ein Volk mit Brut hält das Nest auf etwa fünfunddreißig Grad, und an einer kalten Beutenwand ist diese Wärme mit der Handfläche wahrnehmbar – oft die einzige Rückmeldung, die man im Winter bekommt.
Schleudern
Der Titel meint den lautesten Tag des Jahres. Die entdeckelten Waben werden in eine Trommel gestellt, die sie durch Drehung leert; der Honig läuft an der Wand herunter und durch ein Sieb in den Eimer. Was danach kommt, ist Abwaschen – stundenlang.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Schleudern. Eine Erregung“ von Herbert Vitzthum, frei nach Thomas Bernhard – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum, frei nach Thomas Bernhard (1931–1989), Holzfällen. Eine Erregung (1984)
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Spoken Word mit Klavier-Ostinato, Streichern und Bariton-Refrain
Bild: KI-generiert