Cover zu Wenn es still ist
Stille Ballade mit Cello, Klavier und Gitarre

Wenn es still ist

Wenn ein Volk den Winter nicht geschafft hat

KI-Musik4:46 · Album: Stille Stunden · veröffentlicht am 8. Oktober 2026

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Jede Imkerin und jeder Imker erlebt das irgendwann. Der erste warme Tag im März, überall Flugbetrieb – und bei einem Kasten bleibt es still. Man hebt den Deckel, und die Wabe in den Händen ist leicht. So leicht wie nie.

Das Lied nimmt diesen Verlust ernst, auch gegen den Satz, den man dann oft hört. „Es ist erlaubt, dass man jetzt weint, auch wenn's ‚nur Bienen‘ waren, sagen sie.“

Dann aber tut es etwas, das ich an keinem anderen Lied dieser Sammlung kenne – es schaut genau hin. Zwei Strophen lang stellt es zwei Diagnosen, und beide stimmen. Die Köpfe tief in den Zellen und eine Handbreit weiter der Honig – verhungert neben dem Futter, weil die Kälte dazwischen war. Und beim anderen Volk die weißen Krümel in den Zellen, die krummen Flügel, das Volk schon im Herbst zu klein – die Varroamilbe, und „ich hätt' es sehen können. An der Windel.“

Die Bridge ist dann fast eine Dienstanweisung, ruhig gesprochen – Flugloch schließen, damit die anderen nicht rauben; Probe ins Labor, wenn die Brut seltsam aussieht; die Bienensachverständige anrufen; aufschreiben, was man gesehen hat. „Das bin ich ihnen schuldig. Und den anderen auch.“

Und dann kommt im Mai ein Schwarm und hängt im Apfelbaum. Die Beute wird gereinigt, der Schwarm einlogiert, und es summt wieder, wo es still war.

Der erste warme Tag im März,
die andern fliegen schon hinaus;
nur bei dem Stock am Rand der Wiese
kommt keine raus. Kommt keine raus.

Ich hab gewartet, eine Stunde,
hab mir gesagt: „Die sind noch müd.“
Dann hob ich langsam, ganz langsam den Deckel –
und es war still. Kein Summen. Kein Lied.

Refrain – das Cello setzt ein

Wenn es still ist, wo es summen sollte,
dann bleibt man stehn und weiß nicht, wie;
man hält die Wabe in den Händen –
und sie ist leicht. So leicht wie nie.

sehr leise

Es ist erlaubt, dass man jetzt weint,
auch wenn's „nur Bienen“ waren, sagen sie;
ich hab sie durch den Sommer getragen,
und sie mich auch. Vergess ich nie.

Zwischenspiel – Cello allein ruhiger, nachdenklich – das Klavier kommt dazu

Dann seh ich hin, ganz genau, wie man's lernt:
die Köpfe tief in den Zellen drin –
und eine Handbreit weiter: Honig.
Sie kamen nicht mehr hin. Die Kälte war dazwischen. So einfach. So schlimm.

Bei einem andern war's die Milbe,
die weißen Krümel in der Zelle,
die Flügel krumm, das Volk schon klein im Herbst –
ich hätt' es sehen können. An der Windel. Auf der Stelle.

gesprochen – ruhig, sachlich und zärtlich

Ich mach das Flugloch zu. Damit die anderen nicht rauben.
Und wenn ich nicht weiß, warum – oder wenn die Brut mir seltsam vorkommt –
dann schick ich eine Probe ins Labor.
Ich ruf die Bienensachverständige an.
Ich schreib auf, was ich gesehen hab.
Das bin ich ihnen schuldig.
Und den anderen auch.

Refrain – wärmer

Wenn es still ist, wo es summen sollte,
dann bleibt man stehn und weiß nicht, wie;
doch was ich lerne aus der Stille –
das trag ich weiter. Das vergess ich nie.

heller – Gitarre und Klavier, die Vögel lauter

Im Mai, da kam ein Schwarm geflogen,
und hing im Apfelbaum vor dem Haus;
ich hab ihn in die leere Beute gegeben –
ich hab sie vorher gut gereinigt, frisch und sauber, ein neues Zuhaus'.

Refrain – leise, aber hoffnungsvoll

Und jetzt summt es, wo es still war,
ganz leise erst, dann immer mehr;
und manchmal, wenn ich den Deckel hebe,
denk ich an die, die vorher hier waren. An sie.
Und es ist nicht mehr schwer.

Gitarre, Vogelstimmen, ein letzter Cello-Ton

Für alle, die (noch) keine Bienen halten

Verhungert neben dem Futter
Der häufigste Winterverlust überhaupt. Die Wintertraube kann sich bei strengem Frost nicht vom Fleck bewegen; sind die Vorräte eine Handbreit zu weit weg, verhungert das Volk mit vollen Waben daneben. Die Bienen stecken dann kopfüber in den leeren Zellen, weil sie bis zuletzt nach Futter gesucht haben.
Die weißen Krümel
Kotreste der Varroamilbe an den Zellwänden, gut sichtbar, wenn man eine Zelle gegen das Licht hält. Zusammen mit verkrüppelten Flügeln sind sie ein eindeutiges Zeichen – die Flügeldeformation wird von einem Virus verursacht, das die Milbe überträgt.
Die Windel
Eine herausziehbare Bodeneinlage unter dem Gitterboden. Was darauf liegt, verrät den Zustand des Volkes; zählt man die heruntergefallenen Milben über einige Tage, weiß man, ob behandelt werden muss. Darum die Zeile, man hätte es sehen können.
Räuberei
Ein totes oder geschwächtes Volk wird von Nachbarvölkern ausgeräumt. Dabei werden Krankheitserreger und Milben in die eigenen gesunden Völker getragen. Deshalb gehört als Erstes das Flugloch geschlossen.
Faulbrut
Eine anzeigepflichtige Bienenseuche. Wer bei toter oder seltsam aussehender Brut einen Verdacht hat, schickt eine Futterkranzprobe ins Labor, statt auf eigene Faust zu handeln – hier hängt die Gesundheit aller Völker in der Umgebung daran.
Bienensachverständige
Amtlich geschulte Imkerinnen und Imker, die bei Seuchenverdacht beigezogen werden und den Befund aufnehmen. Sie anzurufen ist keine Schande, sondern genau der vorgesehene Weg.

Frei für alle Imkerinnen und Imker

Dieses Lied darf frei verwendet werden – für den Vereinsabend, die Jahreshauptversammlung, den Honigstand, die Vereinshomepage oder einfach zum Weiterschicken. Kopieren, vorspielen, bearbeiten, auch kommerziell: alles erlaubt unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Einzige Bedingung ist die Nennung:

„Wenn es still ist“ von Herbert Vitzthum – CC BY 4.0

Text und Idee: Herbert Vitzthum
Musik und Gesang: KIvon Herbert Vitzthum mit künstlicher Intelligenz erzeugt (Mureka), im Stil: Stille Ballade mit Cello, Klavier und Gitarre
Bild: KI-generiert