Der erste warme Tag im März,
die andern fliegen schon hinaus;
nur bei dem Stock am Rand der Wiese
kommt keine raus. Kommt keine raus.
Ich hab gewartet, eine Stunde,
hab mir gesagt: „Die sind noch müd.“
Dann hob ich langsam, ganz langsam den Deckel –
und es war still. Kein Summen. Kein Lied.
Wenn es still ist, wo es summen sollte,
dann bleibt man stehn und weiß nicht, wie;
man hält die Wabe in den Händen –
und sie ist leicht. So leicht wie nie.
Es ist erlaubt, dass man jetzt weint,
auch wenn's „nur Bienen“ waren, sagen sie;
ich hab sie durch den Sommer getragen,
und sie mich auch. Vergess ich nie.
Dann seh ich hin, ganz genau, wie man's lernt:
die Köpfe tief in den Zellen drin –
und eine Handbreit weiter: Honig.
Sie kamen nicht mehr hin. Die Kälte war dazwischen. So einfach. So schlimm.
Bei einem andern war's die Milbe,
die weißen Krümel in der Zelle,
die Flügel krumm, das Volk schon klein im Herbst –
ich hätt' es sehen können. An der Windel. Auf der Stelle.
Ich mach das Flugloch zu. Damit die anderen nicht rauben.
Und wenn ich nicht weiß, warum – oder wenn die Brut mir seltsam vorkommt –
dann schick ich eine Probe ins Labor.
Ich ruf die Bienensachverständige an.
Ich schreib auf, was ich gesehen hab.
Das bin ich ihnen schuldig.
Und den anderen auch.
Wenn es still ist, wo es summen sollte,
dann bleibt man stehn und weiß nicht, wie;
doch was ich lerne aus der Stille –
das trag ich weiter. Das vergess ich nie.
Im Mai, da kam ein Schwarm geflogen,
und hing im Apfelbaum vor dem Haus;
ich hab ihn in die leere Beute gegeben –
ich hab sie vorher gut gereinigt, frisch und sauber, ein neues Zuhaus'.
Und jetzt summt es, wo es still war,
ganz leise erst, dann immer mehr;
und manchmal, wenn ich den Deckel hebe,
denk ich an die, die vorher hier waren. An sie.
Und es ist nicht mehr schwer.